
Martin
Haller
Ziegelstr. 3c 34
A-8045 GRAZ
AUT
TEL: +43
(0)316 684265
FAX:+43 (0)316 684265
E-MAIL:
office.haller@gmail.com
Copyright & Web Design
Eileen Haller 2007 - 2009 |
 |
Die
Geschichte Unserer Ponys
Aufgrund
der Erkenntnis Charles Darwins und anderer
Wissenschaftler, dass sich alle Lebewesen auf dem
Wege der natürlichen Selektion ständig ihren
veränderlichen Umweltbedingungen anpassen, ist
anzunehmen, dass vier Urpferdetypen (I bis IV)
innerhalb ihres riesigen Verbreitungsgebietes
unterschiedliche Lokalformen hervorbrachten. Für
unser Thema sind besonders die beiden Ponytypen I
und II interessant, da man mit Sicherheit sagen kann,
dass sie auf den Britischen Inseln vorkamen; für
beide ist dies durch Knochenfunde bewiesen, doch Typ
II mag eine geringere Rolle für die heutigen Ponys
gespielt haben.
Typ I (Nordwesteuropäisches Pony)
Ein lebhaftes, intelligentes Pony von rund 110 bis
130 cm Stockmaß. Breiter, gerader Kopf mit kleinen
Ohren, kräftigen Kiefern und stark ausgeprägten
Augenbögen. Kräftiger Hals, wenig ausgeprägter
Widerrist, tonniger Rumpf. Stämmige Beine mit harten,
eher kleinen Hufen. Kräftige Bemuskelung und Neigung
zum Fettansatz. Üppiges Langhaar, dichte Doppelmähne,
Ponyglocke am Schweifansatz, sowie wasser- und
kälteabweisendes Fell. Beheimatet vor allem im
Nordwesten und Westen Europas (aber auch in anderen
Regionen), daher unempfindlich gegen Nässe und Wind;
Zugwild mit jahreszeitlichen Wanderungen; besonders
ausdauernd im Trab. Farben: Falb und Torfbraun.
Typ II (Tundren- und Waldpony)
Ein phlegmatisches Tier im Typ eines großen,
kräftigen Ponys von rund 130 bis 150 cm Stockmaß.
Großer, derber Kopf mit sehr kräftigen Kiefern und
Ramsnase. Kurzer Hals, steile Schultern und sehr
breiter, tiefer Rumpf. Vermutlich flacher Widerrist
und abgeschlagene Kruppe. Die sehr kräftigen Beine
wiesen etwas Kötenbehang und eher große, flache Hufe
auf. Überwiegend Stehmähne und bürstenartige
Schweifwurzel. Langes und dichtes Winterfell. In
ganz Nordeuropa und Nordasien beheimatet, allerdings
vornehmlich in Tundren- und Waldregionen; Standwild.
Extrem genügsam, kälteunempfindlich und bedächtig;
Schrittpferd. Farben: wahrscheinlich Falb, Braun und
möglicherweise Schwarz.
Man nimmt an, dass die urtümlichen Exmoor Ponys die
unmittelbaren Nachfahren, bzw. der letzte Rest einer
autochthonen britischen Wildpferde-Population sind.
Diese – von der englischen Zoologin Dr. Sue Baker
als British Hill Pony bezeichneten Tiere – sind
wahrscheinlich Nachfahren der „echten Wildpferde“
vom Typ I, welche über die Bering-Straße vom
amerikanischen Kontinent her auf die eurasische
Landmasse einwanderten und sich in ganz
Nordwesteuropa heimisch machten.
Die
alten Handelsbeziehungen zwischen Spanien und
Britannien sind erwiesen. Sie erstreckten sich über
einen langen Zeitraum und waren ab der Kupferzeit
intensiver als gemeinhin angenommen wird. Schon
damals könnten also iberische Haustiere, auch Pferde,
auf die britischen Inseln gelangt sein und die
örtlichen Ponys beeinflusst haben. Durch die spätere
Einwanderung keltischer Stämme nach Spanien
entwickelte sich die keltisch-iberische Kultur,
welche über rege Handelsbeziehungen erneut kräftige
Impulse nach Britannien ausschickte. Die Kelten
verwendeten ihre kleinen, mitunter orientalisierten
Ponys zum Ziehen der Streit- und Transportwagen, als
Packtiere und später etwas größere Varianten auch
zum Reiten. Zahlreiche Grabbeigaben, wie Streitwägen,
Geschirre, Trensen, ja sogar ganze Pferdeleichen,
bezeugen den außerordentlich hohen Stellenwert des
Pferdes in der keltischen Religion und Kultur. Die
Hauptgottheit aller keltischen Stämme, die über
Mittel- und Westeuropa herrschten, war eine
Pferdegottheit in Gestalt der meist Epona genannten
„großen Stute“ oder „Mutter der Pferde“. Sie
verkörperte, auf einer Stute wie auf einem Thron
sitzend, Fruchtbarkeit und Macht zugleich.
Letztlich
stationierten die Römer ihre Legionen bis an die
Grenze zu Schottland, den um 130 n. Chr. erbauten
Hadrianswall. Verschiedene Pferdetypen kamen ins
Land, da die römischen Reitertruppen aus den
unterschiedlichsten Ecken des Imperium Romanum
stammten. Da sich die Truppen mit der heimischen
Bevölkerung vermischten und auch intensiven Handel
trieben, blieb ein Einfluss ihrer Pferde auf die
örtlichen Zuchten sicher nicht aus. Dies mag in
einigen Gebieten vermehrt der Fall gewesen sein, in
anderen, abgelegenen Regionen weniger. Im Westen der
Hauptinsel, also in Devon und Cornwall, aber auch in
Wales und vor allem in Irland war der Einfluss des
durch Händler, Einwanderer und Soldaten importierten
Fremdblutes vermutlich gering. Dort konnte sich das
keltische Pferdchen, das seinerseits etwas
orientalisches Blut führte, neben dem heimischen
Urpony relativ lange halten. Grabungsfunde zeigen,
dass es während der keltischen Periode vornehmlich
Ponys von höchstens 125 cm Stockmaß gab; während der
römischen Periode gab es neben diesen auch Pferde
von rund 140 bis 150 cm Stockmaß, und während der
germanischen Periode war das durchschnittliche
Hauspferd ca. 135 cm groß.
Beginnend
mit dem Überfall der Wikinger auf das Kloster
Lindisfarne im Jahre 793 erfolgten nun zahlreiche
Raubzüge der nordischen Seefahrer auf die britischen
Inseln. Vorerst kam es zu Plünderungen, später
begannen die Wikinger in England und Irland zu
siedeln und gründeten zahlreiche Siedlungen. Sie
trieben intensiven Handel zwischen Skandinavien und
den Inseln, ließen sich auch auf den Shetland-Inseln,
Orkney und Island nieder und verbanden ihre
Stützpunkte mit Seehandelsrouten. Das mag zur
Verbreitung von ursprünglich skandinavischen Pferden
in allen diesen Gebieten geführt haben, wobei man
natürlich nicht an ein Einbahn-System denken darf –
wahrscheinlich gelangten auch englische Pferde oder
Ponys nach Skandinavien und Island. Bis heute sind
gewisse Ähnlichkeiten zwischen manchen britischen
und skandinavischen Rassen zu bemerken, etwa bei den
Döle-Pferden und den Dales und Fell Ponys.
Schließlich kam es mit der Unterwerfung Englands
durch den Normannenherzog Wilhelm (William the
Conqueror) im Jahre 1066 zu einer Zäsur. Damals
begann die erneute und verstärkte Einfuhr spanischer
Pferde, die sich während der Kreuzzüge und vor allem
durch die Pilgerfahrten nach Santiago de Compostela
fortsetzte. Die relativ großen und damit
kostspieligen Streitrösser blieben jedoch dem Adel,
der Ritterschaft, vorbehalten.
Während all dieser Jahrhunderte blieben die
englischen „Wildpferde“ in ihren unzugänglichen
Weidegebieten und in den riesigen königlichen
Jagdforsten noch weitgehend unvermischt und
unbehelligt. Wenn auch immer wieder fremde Einflüsse
in die ursprünglichen Populationen gelangten, so
blieben diese wahrscheinlich zahlenmäßig gering und
genetisch ziemlich unbedeutend. Das Landpferd blieb
– mit wenigen Ausnahmen – ein mehr oder weniger
urwüchsiges Pony.
In vielen Quellen wird berichtet, dass König
Heinrich VIII. (Henry VIII, 1491-1547) die
Ausmerzung aller kleinen Pferde befahl, weil er
selbst ein hünenhafter Mann war. Studiert man die
betreffenden Gesetze etwas genauer, so wird klar,
dass Heinrich zwar die Zucht von großen Pferden
fördern wollte, es jedoch keineswegs zu einem
Blutbad unter den Ponys kam. In Kurzform wurde
Folgendes angeordnet:
- Die Besitzer von umzäunten Hirschgattern
mussten, je nach Größe des Geheges, eine bestimmte
Anzahl von Zuchtstuten über 132 cm Stockmaß darin
halten und durften diese Stuten nur mit Hengsten
über 142 cm Stockmaß decken. Ausnahmen waren die
Moore von Westmorland, Cumberland, Northumberland
und Durham, sowie alle Gehege, in denen Stadtbürger
der Umgebung Weiderechte hatten.
- Jeder Herzog oder Erzbischof musste sieben Hengste
des Reitschlages von mindestens 142 cm Stockmaß
halten, jeder Graf oder Bischof deren fünf, jeder
Baron drei usw. Jeder Bürger, dessen Frau ein
Seidenkleid, eine französische Haube oder eine
Samtkappe trug oder deren Kleidung goldbestickt war,
musste einen solchen Hengst halten. Alle diese
Hengste waren im Kriegsfall der Zwangsremontierung
unterworfen.
- Auf allen Almenden und Hutweiden etc. durften nur
Hengste von mehr als 152 cm Stockmaß zur Zucht
verwendet werden, allerdings waren zahlreiche
Gebiete davon ausgenommen, weil man wusste, dass
dort keine großen Pferde gedeihen würden. Heinrichs
Tochter Elizabeth I (1533-1603, regierte ab 1558)
schwächte diese Verordnung noch weiter ab und
reduzierte die Mindestgröße auf 132 cm.
- Die jährlichen Auftriebe der frei lebenden Pferde
(Ponys) mussten dazu genützt werden, unter der
Aufsicht der örtlichen „Treiber“ alle schwachen,
zuchtuntauglichen oder offensichtlich unbrauchbaren
Tiere zu töten, ohne Rücksicht auf deren Größe.
Hier
muss mit einem weiteren Mythos aufgeräumt werden,
der sich durch die Geschichten einiger britischer
Rassen zieht, nämlich der Veredelung von Ponys durch
spanische Hengste, welche von Schiffen der Großen
Armada (Seekrieg unter Königin Elizabeth I. von
England und König Philip von Spanien, 1588) an Land
schwammen. Es ist recht schwer, an diese Geschichte
zu glauben, wenn auch verschiedene Aussagen und
Zeugnisse darauf hindeuten. Die Seeschlachten zu
Beginn der spanischen Expedition, die Stürme und
besonders die Wasserknappheit an Bord der Schiffe
dürften jenen Pferden, die mitgeführt wurden, wohl
schon recht früh den Garaus gemacht haben. Noch
bevor man die Inseln nördlich Schottlands umrundete,
gab Admiral Graf Medina Sidonia den Befehl, alle
übrigen Pferde und Maultiere über Bord zu werfen.
Sollten tatsächlich einige bis zum Landfall an den
schottischen und irischen Westküsten überlebt haben,
so erhebt sich wieder die Frage, ob man sie danach
am Leben ließ, und ob die heimische Bevölkerung sie
überhaupt ernähren konnte und wollte. Ein Überleben
einzelner Tiere in freier Wildbahn war vermutlich
möglich, eine durchgreifende Vermehrung ist jedoch
unwahrscheinlich. Allerdings gab es zwischen etwa
dem 16. und dem 19. Jh. wiederholte Importe von
spanischen Zuchtpferden, vor allem in Schottland und
Irland, die sehr wohl auf die lokalen Zuchten
einwirken konnten.
Erst relativ spät und langsam wandelte sich das Bild
der relativ einheitlichen Ponys der Wildbahnen und
ländlichen Gebiete zu dem der heutigen Rassen. Vor
allem die diversen Verwendungszwecke formten,
zusammen mit der für das 19. Jh. typischen
viktorianischen Neigung zum züchterischen Experiment
– das heißt zu allerhand Verkreuzungen – die
modernen Rassen. Der Adel und die wohlhabenden
Landbesitzer entwickelten ein Interesse an der
Tierzucht, das sich auch auf die lokalen
Pferderassen erstreckte. Zudem war der militärische
und industrielle Bedarf an Pferdematerial jeglicher
Art groß, denn ganz Europa war ja beinahe ständig in
irgendwelche Kriege verwickelt, während die
Wirtschaft blühte. Die Armeen und zunehmend auch die
Industrie hatten einen ständigen Bedarf an
Nutzpferden, den man zumindest teilweise aus den
heimischen Rassen decken konnte.
Der enorme Bedarf an Grubenponys für die anwachsende
Bergbauindustrie forderte seinen Zoll, denn viele
kleine Ponys verschwanden als Arbeitstiere in den
Schächten der Kohlenminen. Gegen Ende des 19. Jh.
erlangten besonders die größeren Ponyrassen durch
das Aufkommen des Polosportes neue Bedeutung. Dieser
war 1869 vom Regiment der 10th Hussars aus Indien
mitgebracht worden und erfreute sich bald großer
Beliebtheit. Zwischen 1890 und 1924 wurden nahezu
alle relevanten Zuchtbücher gegründet und damit die
eigentliche Planzucht innerhalb der Rassen begonnen.
Bis zur endgültigen Schließung der Zuchtbücher und
dem Abwenden von allen Einkreuzungen verging
allerdings noch einige Zeit; von einer Reinzucht
kann daher in einigen Fällen erst seit wenigen
Jahrzehnten gesprochen werden. In der Zeit des
Wirtschaftswunders begann der erneute Siegeszug des
Pferdes als Sportpartner; auf den Inseln blieben die
Ponys davon nicht ausgeschlossen ...
|
|
|
British Miniature Horse, British Riding Pony, British Spotted Pony,
Connemara Pony |
|
Dales &
Fell Ponies,
Dartmoor Pony,
Eriskay Pony,
Exmoor Pony |
|
Hackney Pony, Highland Pony, Kerry Bog Pony, Lundy Pony |
|
New Forest Pony, Shetland Pony,
Tinker,
Welsh A – D |
|