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Gedanken zum Rassetyp
Kaum ein Thema verursacht Züchtern, Richtern und
Körkommissionen (in GB inspection teams/panels) so
großes Kopfzerbrechen wie der Begriff Rassetyp, auf
Englisch kurz und bündig type genannt. Allerdings
kann der Englischsprechende darunter auch einen
Gebrauchstyp verstehen, also etwa einen Hunter,
einen Cob oder einen Hack; in aller Regel meint man
aber den Rassetyp. Sagt der Brite also: „This is a
typey pony“ oder “What a good Connemara type”, so
meint er übersetzt: “Das ist ein typvolles Pony”
oder “Was für ein guter Connemara-Typ”.
Der jeweilige Rassetyp sollte eigentlich in den
einzelnen Rassestandards eindeutig festgelegt sein.
Die Wirklichkeit sieht allerdings etwas anders aus,
und damit beginnt auch schon das Problem. In nahezu
allen Standards sind nur die allgemeinen
Charakteristika und groben Zielsetzungen umrissen.
Zudem flossen die Wunschvorstellungen der damaligen
Zuchtverantwortlichen mit ein, die mitunter von der
Realität ziemlich weit entfernt waren oder sind.
Standards sind also bestenfalls Hilfsmittel, um den
Rassetyp eingrenzen zu können.
Es ist wichtig, sich in eine Rasse und ihre
Variationen einzuschauen, das heißt, möglichst viele
verschiedene Exemplare genau und ausgiebig zu
studieren und sie mit dem Standard, alten Fotos,
anderen Tieren derselben Rasse und Vertretern
anderer Rassen etc. zu vergleichen. Nur auf diese
Weise erlangt man ein Gefühl dafür, welche Tiere
ihren Rassetyp besser oder schlechter
repräsentieren.
Was ist nun „der Typ“? Verallgemeinernd kann man
sagen, er ist die Summe aller Merkmale, die ein Pony
eindeutig als Vertreter einer bestimmten Rasse
ausweisen. Zusammenfassend kann man sagen, dass ein
typvolles Tier jenes ist, das über einen
ausgeprägten Geschlechtstyp verfügt, die
Anforderungen seines Standards erfüllt und eindeutig
seiner Rasse zuzuordnen ist. Ein häufiger Fehler ist
der, Typ mit Korrektheit zu verwechseln. Manche
Rassen haben ganz „typische Schwachstellen“, die
sich aus ihrer Verwendung oder Geschichte ergeben
haben und die man kennen und akzeptieren muss.
Meiner Meinung nach liegen die Ursachen der
Typschwankungen, vor allem in Nachzuchtgebieten,
meist in der unterschiedlichen Auffassung der
Züchter oder in einer Selektion auf einen anderen
Zweck. Man kann zwar überall auf der Welt gute
Pferde kaufen, aber man muss die Wertvorstellungen
und Erfahrungen der Züchter im Heimatgebiet quasi
„mit importieren“, sonst wird man recht bald einen
modifizierten Typ erhalten, der zwar den neuen
Bedürfnissen Rechnung trägt, sich aber vom Original
entfernt. Manche Züchter tun dies bewusst, um den
geänderten Markterfordernissen in ihrem Land gerecht
zu werden, andere tun es unbewusst, weil es ihr
ästhetisches Empfinden verlangt und einige haben
schlichtweg keine Ahnung und vermehren einfach vor
sich hin.
Eines sei hier festgehalten: Ponys, die aus
extensiven Haltungsformen stammen und zumindest ihre
Jugend in Freiheit und im Herdenverband verbringen
durften, sind in aller Regel lebenstüchtiger und
instinktsicherer als ihre stärker zivilisierten
Artgenossen.
Schon immer gab es Schwankungen, der gute Züchter
folgt ihnen jedoch nur soweit, wie er es seiner
Rasse gegenüber verantworten kann. Er setzt sich
gewissermaßen einen Rahmen, innerhalb dessen er ohne
Verlust der Integrität der Rasse und des
Einzeltieres seine persönlichen Ziele verfolgen
kann. Der weise Züchter hütet sich vor Extremen,
weil sie meist nur kurzlebigen Erfolg zeitigen. Es
ist recht lehrreich, alte Fotografien von
Spitzenexemplaren früherer Tage mit heutigen Tieren
zu vergleichen. In vielen Fällen muss man sagen,
dass die Champions von gestern im Schauring heute
keinen Blumentopf mehr gewinnen würden, sie wirken
einfach zu „normal“. Vielleicht war es gerade dieses
Normale, das die damaligen Tiere so sympathisch und
brauchbar machte ...
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