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Typish britisch: Das Showing
Eine Besonderheit der
britischen Pferdeszene stellen Horse- oder Pony
Shows dar. Die Briten haben sich die uralte
keltische Leidenschaft für die Tierzucht weitgehend
erhalten und in zeitgemäße Formen gebracht. Nahezu
jede Tiergattung, vom Pferd über das Rind, Schaf und
Schwein bis zum Haustier und Kleinvieh, wird mit
großer Begeisterung und Professionalität auf
Zuchtschauen ausgestellt und bewertet. Im Laufe der
Zeit hat sich eine für den Kontinentaleuropäer
nahezu unbegreifliche Vielzahl von Klassen und
Bewerben gebildet, die ein weites Betätigungsfeld
für Züchter, Besitzer und Show-Professionals bieten.
Bei den Reitponys geht dies von Führzügelklassen (leadrein
classes) über Anfängerklassen (first ridden classes)
und weiter über alle drei Größenabstufungen der
Reitklassen (Riding Pony classes von 12,2 über 13,2
bis 14,2 hands), bis hin zu diversen Jagdponyklassen
(Working Hunter Pony classes), Damensattelklassen (sidesaddle
classes) und echten Zuchtbewerben an der Hand (inhand
classes). Derartige Shows finden als Livestock
Shows, Horse Shows oder Agricultural Shows – je
nachdem, ob nur Pferde oder auch andere Tiere
ausgestellt werden – an nahezu jedem Wochenende in
vielen größeren Ortschaften im ganzen Land statt.
Dem Besitzer eines schönen Tieres stehen zahllose
Veranstaltungen und Bewerbe offen, so dass er je
nach Eignung seines Tieres, Entfernung, Richter,
Preisgeld, Prestige oder vermutlicher Konkurrenz
seine Nennung vornehmen kann.
Wenn in der Sportpferdezucht andere oder zumindest
zusätzliche Parameter als das Aussehen des Tieres in
den Vordergrund gerückt sind, so besteht in
Großbritannien das traditionelle System der
Exterieurzucht weiter. Eine Ausnahme ist das
Englische Vollblut, das einzig und allein nach
Leistungskriterien gezüchtet wird.
Die zahlreichen britischen Ponyrassen unterliegen
heute noch weitgehend dem Exterieurgedanken, wobei
dem sogenannten Rassetyp besondere Bedeutung zukommt.
Der eigentliche Leistungsgedanke ist heute in der
Ponyzucht nicht mehr (oder noch nicht wieder?)
besonders stark verankert, es genügt in vielen
Fällen, wenn sich ein Pony bequem reiten oder fahren
lässt. Die ehemals so wichtigen Eigenschaften wie
die Ausdauer, die Leichtfuttrigkeit, die
Trittsicherheit oder die robuste Gesundheit bleiben
oftmals unbewiesen. Somit könnte man etwas ironisch
behaupten, dass die verschiedenen Ponyrassen in
Großbritannien „an der Hand zu Tode geshowt werden“
(Gesprächszitat Jasper Nissen) – sie bleiben oftmals
den sportlichen Leistungsbeweis schuldig. Das liegt
aber nicht an den Tieren oder ihren Züchtern,
sondern am System, das eine harte Leistungsprüfung
großteils nicht vorsieht. Heute gelten andere Werte:
Schönheit, Korrektheit, wertvolle Abstammung oder –
in gewissem Umfang – Rittigkeit oder Springvermögen.
Eine Variante der Leistungsprüfung stellen die
Reitklassen dar; solche gibt es nicht nur für die
Riding Ponies, die naturgemäß unter dem Sattel
brillieren, sondern auch für die Mountain &
Moorland-Rassen. Im ganzen Land finden während der
show season sogenannte qualifiers statt, also
Qualifikationsbewerbe, die dann bei diversen
hochkarätigen Finalbewerben am Saisonende unter
größtem Publikumszulauf endgültig entschieden werden.
Schon der Sieg in einem qualifier ist für einen
Züchter (oder Reiter/Trainer/Besitzer) ein
lukrativer Erfolg, ein Finalsieg in London im
Spätherbst oder bei anderen hochkarätigen Shows
bedeutet jedoch quasi den Einzug in den Olymp der
Ponywelt. Die Reitklassen sind eine recht gute
Möglichkeit, die Rittigkeit, das Gangvermögen und
die Korrektheit eines Ponys, einer Zuchtlinie oder
sogar einer Rasse zu demonstrieren und auch zu
überprüfen. Als eigentliche Leistungsprüfungen würde
ich sie aber nicht bezeichnen, der Ausdruck „Eignungsprüfung
unter dem Sattel“ scheint angebrachter. Etwas
aussagekräftiger sind da schon die working hunter
classes, bei denen zusätzlich einige solide
Natursprünge zu bewältigen sind.
Man darf sich nicht der Illusion hingeben, dass
Schauerfolge, seien sie an der Hand oder unter dem
Sattel errungen, das Alpha und Omega der Ponyzucht
sein können; sie sollten nicht zum Selbstzweck
geraten. Züchterisch gesehen sind sie bestenfalls
ein Hilfsmittel, um die korrektesten und typvollsten
Tiere herauszustellen und deren züchterische
Verwendung zu propagieren. Erst im Laufe von zwei,
drei Generationen erweist sich dann, ob ein
prämiertes Zuchttier seine guten Eigenschaften auch
weiterzugeben vermag, und ob seine Nachkommen ebenso
leistungsfähig sind.
Die
Schauklassen in Großbritannien lassen sich etwa so
einteilen:
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Inhand Classes (Zuchtklassen, Halfterklassen):
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Foals
(oft nach Geschlecht unterteilt; filly- oder
colt-foals) |
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Yearlings oder Youngstock
(Jungtiere, oft nach Geschlecht unterteilt;
yearling filly, yearling colt, 2-year-old
filly oder colt/gelding) |
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● |
Mares without Foal
(Stuten ohne Fohlen bei Fuß, oft altersmäßig
unterteilt) |
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Mares with Foal
(Stuten mit Fohlen, oft altersmäßig
unterteilt) |
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Barren Mares
(Ungedeckte Stuten, meist 3-jährige) |
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Geldings
(Wallache) |
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Stallions
(Hengste, manchmal in Jung- und Althengste
unterteilt) |
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● |
Championship, Best in Show
(Championatsklasse) |
(Diese
oder sehr ähnliche Einteilungen können bei nahezu
allen Shows für Zuchtpferde Anwendung finden.
Sinngemäß werden sowohl Ponys als auch andere Rassen,
Rassengruppen oder Typen so unterteilt. Es kommt in
aller Regel zu keiner Vermischung, es sei denn, eine
sogenannte mixed class ist ausgeschrieben, dann wird
in der Ausschreibung angegeben, welche Rassen oder
Typen zugelassen sind.)
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Ridden Classes (Reitklassen) |
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Leadrein Class
(Führzügelklasse; Pony unter 122 cm, Reiter
unter 7 Jahre) |
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First Ridden Pony
(„Erst-Reitpony“; Pony unter 122 cm, Reiter
unter 9 Jahre) |
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Riding Pony under 12.2hh
(Pony unter 127 cm, Reiter unter 12 Jahre) |
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Riding Pony over 12.2, under
13.2 hh (Pony zwischen 127 und 137 cm,
Reiter unter 14 Jahre) |
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Riding Pony over 13.2, under
14.2 hh (Pony zwischen 137 und 147 cm,
Reiter unter 16 Jahre) |
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Ridden M & M
(Reitklasse für „Natives“ – oft nach Größe
in large und small breeds
unterteilt, keine Altersbegrenzung der
Reiter, sehr häufig ältere „Semester“ in der
large breeds class; Unterteilung in
aller Regel bei 130 cm) |
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Riding Pony over 14, under 15
hh
(Pony zwischen 142 und 152,5 cm, Reiter
unter 18 Jahre) |
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Working Hunter Pony (Ponys
und Reiter unterteilt wie Riding Pony, bis
152,4 cm) |
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Show Hunter Pony (Ponys und
Reiter unterteilt wie Riding Pony, bis 152,4
cm) |
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Side Saddle Class
(Damensattel-Klasse, kann nach Alter oder
Größe unterteilt sein) |
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Pairs/Team Class
(Paar-/Teamklasse, Ähnlichkeit der Ponys +
Aufmachung, sowie Reitvorführung zählen;
kann auch über Hindernisse führen) |
Hier muss zum besseren
Verständnis der Größeneinteilungen eine
Umrechnungstabelle eingefügt werden, denn
Festland-Europäer sind in der Regel nicht mit den
britischen Maßeinheiten vertraut. Die Basis der
Größenangabe bei Pferden ist eine hand, also eine
Handbreite oder Faust; diese wird im Englischen mit
hh abgekürzt, was hands high bedeutet. Eine hand hat
vier inches (Zoll, = 2,54 cm), beträgt somit genau
10,16 cm.
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10 hands = 101,60 cm |
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10.1 hands = 104,14 cm |
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10.2 hands = 106,68 cm |
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10.3 hands = 109,22 cm |
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11 hands = 111,76 cm |
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11.1 hands = 114,30 cm |
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11.2 hands = 116,84 cm |
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11.3 hands = 119,38 cm |
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12 hands = 121,92 cm |
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12.1 hands = 124,46 cm |
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12.2 hands = 127,00 cm |
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12.3 hands = 129,54 cm |
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13 hands = 132,08 cm |
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13.1 hands = 134,62 cm |
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13.2 hands = 137,16 cm |
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13.3 hands = 139,70 cm |
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14 hands = 142,24 cm |
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14.1 hands = 144,78 cm |
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14.2 hands = 147,32 cm |
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14.3 hands = 149,86 cm |
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15 hands = 152,40 cm |
Neben
den Reitklassen werden auch häufig Fahrklassen für
Ponys (und andere Pferde) angeboten, deren Vielfalt
nahezu unerschöpflich ist. Beliebt sind trade
turnout (Händler-Aufmachung mit kleinem, schmuckem
Lieferwägelchen)scurry driving (Kegelfahren gegen
die Uhr in tiefgelegten Spezialwägen), private
driving classes (vergleichbar mit Concours
d’elegance in eleganten Kutschen), driving for
disabled (Behindertenfahren in Spezialfahrzeugen)
und viele mehr. Die Welsh Ponys und Cobs der
Sektionen A, C und D werden besonders gerne vor
leichten show buggies gezeigt, wobei sie ihre tolle
Trabaktion ausspielen können.
Jedem an Pferden interessierten Besucher der
Inseln sei hier empfohlen, sich bei Gelegenheit
solche Schauen anzusehen, denn sie sind nicht nur
ein optischer und hippologischer Genuss, sondern
auch eine höchst lehrreiche Demonstration von
horsemanship, besonders von korrektem Herausbringen
und Vorstellen.
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British Miniature Horse, British Riding Pony, British Spotted Pony,
Connemara Pony |
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Dales &
Fell Ponies,
Dartmoor Pony,
Eriskay Pony,
Exmoor Pony |
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Hackney Pony, Highland Pony, Kerry Bog Pony, Lundy Pony |
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New Forest Pony, Shetland Pony,
Tinker,
Welsh A – D |
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